Ford Capri Werksturbo

Capri RS? Legendär, unvergessen. Capri Turbo? Ein rarer Typ für echte Fans. Mit 188 PS und großem Spoilerpaket war er ab 1981 das Topmodell. Doch wo sind sie heute, die rüstigen Kraft-Capris? Rund 100 Exemplare soll es in Europa noch geben.

Von Markus Brass „Was die Amerikaner können, das schaffen wir auch“. Vor 40 Jahren war das noch keine Befürchtung, sondern Glaube an eine glänzende Zukunft. Genau so sahen es die Kölner Ford-Bosse, als sie den Capri als deutsche Antwort auf den Mustang präsentierten. Billige und haltbare Großserientechnik, nett und modisch verpackt: Das reichte für 1,9 Millionen Autos und 18 Jahre Bauzeit – viel länger als geplant. Unzählige Varianten hielten den Hype um das Kölner Coupe wach. Die gesuchtesten Exemplare sind heute die sportlichen RS-Typen – und Turbo-Modelle ab 1970. Doch es ist verdammt schwer, gute (und halbwegs originale) Stücke zu entdecken. Eine mehr oder weniger raue Motorsport-Vergangenheit haben sie fast alle hinter sich – nicht nur dann, wenn ihre Fahrer Jochen Mass, Dieter Glemser, Hans Stuck oder auch Jean Todt hießen.

Nur etwa 100 originale Turbo-Capri sind übrig

Wenig Druck: Der Turbo bläst nur mit 0,4 Bar.

Offizieller Höhepunkt war der Gewinn der Deutschen Rennsportmeisterschaft von Klaus Ludwig im Turbo-Capri mit 560 PS (1981). Das färbte natürlich auf die Serienautos ab. Neben den Vier- und Sechszylindern von 50 bis 150 PS (RS) mussten natürlich kernige Kleinserien-Sportgeräte her. Das Werk bot daher diverse Karosserie- und Leistungskits (Weber-Doppelvergaser, Nockenwellen, Sportauspuff) an. Nachdem der Schweizer Tuning-Pionier Michael May bereits 1970 den 2,3-Liter-Capri per Turbo von 108 auf 180 PS (2.6: 207 PS) gebracht hatte, entschied sich das Werk erst zehn Jahre später zu einer Kleinserie des 2.8 Turbo. Nur 200 Exemplare entstanden bis 1986 bei Werkstuner Zakspeed.Ford bot den Turbo parallel zum 2.8i mit 160 PS an: Statt der Einspritzanlage kamen hier Solex-Vergaser zum Einsatz – Ergebnis: 188 PS. Klingt heute nicht nach Kraftausbruch, aber auch ein Porsche 911 SC war kaum stärker. Und deshalb lachte keiner, wenn der scharfe Capri auch optisch den Dicken machte: Kunststoff-Verbreiterungen, Frontspoiler und ein doppelter Heckflügel sorgten für sichtbaren Respektabstand zum Normalmodell.

Unter 20.000 Euro ist überhaupt nichts zu machen

Starke Front: Doppelscheinwerfer, Spoiler, Sportfahrwerk mit stärkeren Stabis und 25 Millimeter Tieferlegung.

DFaahrleistungen waren entsprechend: In glatten acht Sekunden stürmte der Turbo auf 100 km/h, die Spitze wurde bei 215 abgeregelt. Heute lächeln wir über den Schub ab 3000 Touren – jeder TDI bietet hier mehr. Aber wer sich auf den Turbo eingeschossen hat, der verlässt seine Sportsessel nur unwillig. Zwischen 150 und 200 km/h hängt der Sechszylinder gierig am Gas, der Spritverbrauch ist gerade noch erträglich: 10 bis 15 Liter. Das war in den frühen 80ern fast vernünftig. Wo sind sie heute, die rüstigen Kraft-Capris? Rund 100 Exemplare soll es in Europa noch geben, manchmal wird einer frei. Und da kommen wir zum Knackpunkt: Unter 20.000 Euro ist überhaupt nichts zu machen, aber die Wertsteigerung ist garantiert – sagen seine Fans. Und zeigen auf die unbezahlbar gewordenen Power-Versionen des legendären Mustang. Was die Amis können – der Capri hat es immer geschafft.

Technische Daten Ford Capri 2.8 Turbo
Motor Sechszyl.-V-Motor, vo. längs • Garrett-Turbolader
Ladedruck 0,4 Bar
Vergaser Solex-Doppel
Hubraum 2772 cm³, zwei Ventile pro Zylinder
Verdichtung 9,2:1
Leistung 188 PS bei 5500 U/min
max. Drehmoment 268 Nm bei 4500 U/min
Antrieb Hinterrad
Getriebe Viergang
Aufhängung vo. Einzelradaufh. mit McPherson-Federbeinen, hi. Starrachse mit Blattfedern
Lenkung Querstabis, Zahnstangenlenkung
Bremsen vo. Scheiben-, hi. Trommelbr.
Reifen 235/60 VR 13
Länge/Breite/Höhe 4439/1780/1323 mm
Gewicht 1225 kg
Tank 58 l
Verbrauch 15,5 l S/100 km
0–100 km in 8,0 s
Spitze 215 km/h
Preis 33.300 Mark (1981)