Michael May – Rennfahrer, Ingenieur und Forscher

Im Januar 1969 wurde der Ford Capri in Brüssel erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Turbopower war zu diesem Zeitpunkt noch nicht angesagt – die stärkste Motorisierung war ein 2,3 Liter V6 mit 125 PS. Das flotte Schrägheck-Coupe traf dennoch den Publikumsgeschmack und weckte Emotionen im Vergleich zur biederen Hausmannskost alla VW Käfer oder Opel Kadett.

 Das mit der Turbo-Power sollte sich 1970 ändern. Dank May Turbo-Kit stieg die Leistung des 2,3 Liter V6 von 108 auf sage und schreibe 180 PS bei 0,65 bar Ladedruck – das waren 30 PS mehr als beim Capri 2600 RS. Beim Capri 2600 GT waren es nach der Umrüstung sogar rund 200 PS. Die Vorzüge dieser „sanften Gewalt“ waren der konkurrenzlos niedrige Preis, die Alltagstauglichkeit und ein nur unwesentlich höherer Benzinverbrauch durch bessere Energieausnutzung. Es waren keinerlei Eingriffe in den Motor notwendig und im Fahrbetrieb hatte man zunächst nicht den Eindruck, ein getuntes Fahrzeug zu bewegen, das die nahezu doppelte Motorleistung aufwies – der Turbo-May Capri war ein Wolf im Schafspelz.

   Hinter dieser Erfolgsstory steht Michael G. May – Rennfahrer, Ingenieur und Forscher. Er gründete Ende 1969 die May Turbo GmbH in Hechingen und gilt als einer der Wegbereiter für die Turbotechnik bei Otto-Motoren. Auf seinem Motorenprüfstand wurden die ersten leistungsfähigen Turbo-Aggregate abgestimmt – der V6- Motor von Ford war wegen seiner Robustheit dafür bestens geeignet – erstes Versuchsobjekt war ein Ford 20M. Für den brandneuen Ford Capri wurde ein komplettes Tuning Kit inklusive Turbo entwickelt, welches von der Schwabengarage in Stuttgart oder auch dem Autohaus Stoffler im Schwarzwald vertrieben wurde. Andere Fords mit V6 wie z.B. Osi, die M-Serie oder später auch Taunus, Granada oder Sierra konnten ebenfalls umgerüstet werden.

  Auch für den BMW 2002 oder den Opel Manta wurden Turbo Kids entwickelt. Die ersten Serienturbos von BMW und Porsche, die 1974 auf den Markt kamen, haben von der Arbeit, die Michael May und seine Mitarbeiter geleistet haben, mit Sicherheit profitiert.

 Auf May Turbotechnik wurden ca. 4000-4500 Fahrzeuge umgerüstet. Als das Geschäft Fahrt aufnahm, widmete sich Michael May schon wieder anderen Themen – Serienfertigung und Vertrieb waren nicht so sehr sein Ding – er war zufrieden, wenn etwas funktionierte, das er sich ausgedacht hatte. 

  Michael May möchte auch nicht ausschließlich auf die Turbo-Technik reduziert werden – seine Biografie weißt unzählige weitere Facetten und Meilensteine auf: 1956 überraschte er die Motorsportwelt mit dem ersten  verstellbaren Flügel montiert auf einem Porsche 550 Spider, im Jahre 1959 wurde er erster Formel-Junior Europameist er, ab 1960 konstruierte er Benzineinspritzanlagen für Daimler Benz und Porsche und fuhr gleichzeitig für Lotus in der Formel 1 – 1963 wechselte Michael May zu Ferrari und war an der Entwicklung von Formel Motoren beteiligt. Die Abfindung von Ferrari in Form eines Koffers voller Geld bildete 1969 den Grundstock für die May Turbo GmbH. 

Nach der einem Exkurs in die Welt von Rennbooten – er hatte seinen Betrieb inzwischen an den Genfer See verlegt, stand in den 70er Jahren die Optimierung von Motoren im Hinblick auf Benzineinsparung und Reduzierung von Abgaswerten im Fokus. Neben dem May Turbo entwickelte er unter anderem das verbrauchs- und emissionssenkende Fireballsystem, das bei Jaguar in Serie ging. Michael May hatte auch einen maßgeblichen Anteil an der Schweizer Emissionsgesetzgebung. Ruhestand ist für Michael May auch heute ein Fremdwort – seit einigen Jahren widmet er sich intensiv der Krebsforschung und hält sich fit – z.B. mit Unterschriften auf Motorhauben.